Mein Erfahrungsbericht 2008 - heute /Getty/Waldorf Anwälte

Hier k√∂nnen Benutzer (anonym) √ľber Ihre Erfahrung mit Getty Images und die konkrete Abmahnung berichten.

Mein Erfahrungsbericht 2008 - heute /Getty/Waldorf Anwälte

Beitragvon vonseydewitz am Mo 12. Okt 2009, 19:48

Hallo!

Auch ich bin betroffen, hier kurz die Fakten:

Ich habe als Student vor 4 Jahren den Internetauftritt eines kleinen Mittelständlers erstellt und dabei zwei Ausschnitte aus Getty-Vorschaubildern verwendet. Die Größe der Ausschnitte betrug 60 x 60 Pixel, die Bilder waren auf einer Unterseite der Website zu sehen (Secondary page).

Im November 2008 schrieb Getty Images den Mittelständler an und verlangte 2420 Euro, beigelegt waren zwei Screenshots und eine Rechnung. Pro Bild wurden 1000 Euro verlangt plus 420 Euro irischer Umsatzsteuer.

Als erstes nahm ich die beiden Bilder sofort vom Netz. Da ich mich in juristischen Fragen nicht auskenne zog ich einen Rechtsanwalt hinzu. Der Mittelst√§ndler stellte diesem eine Vollmacht aus. Der Rechtsanwalt beantwortete dann das Schreiben an Getty, bestritt im Namen des Mittelst√§ndlers eine Verantwortung f√ľr den Urheberrechtsverletzung (Website sei von dritter Seite erstellt worden und der Mittelst√§ndler sei davon ausgegangen, dass alle Lizenzen vorl√§gen) und bot einen auf der Getty-Preisliste basierten Schadensersatz von 196 Euro an (49 Euro pro Bild f√ľr 2 Jahre Laufzeit plus 100% Aufschlag wegen Nichtnennung des Fotografen) mit dem Angebot einer sofortigen √úberweisung.

Der Mittelst√§ndler √ľberwies das Geld im Dezember 2008 an die im Getty-Schreiben genannte irische Bankverbindung. Das Geld kam jedoch zur√ľck. Auch ein weiterer Versuch zu √ľberweisen war erfolglos. (ist das hier im Forum noch jemandem passiert?)

Im September 2009 (!) erhielt der Mittelst√§ndler dann ein Schreiben von den WALDORF Anw√§lten in dem diese die Herausgabe meiner Personalien forderten. Mein Antwalt verfasste eine modifizierte Unterlassungserkl√§rung und schickte diese zur√ľck.

Anfang Oktober 2009 dann ein weiteres Schreiben der Waldorfler, indem diese das Vergleichsangebot von 2008 ablehnen und - garniert mit reichlich juristischem Kanonenfutter - eine neue Schadensberechnung aufstellen:

2190 Euro Nutzung auf Homepage (Laufzeit bis 5 Jahre)
100% Zuschlag wegen unterlassenem Urhebervermerk
459 Euro Rechtsanwaltskosten

Der Gegenstandswert wird mit 5.300 Euro beziffert. Die Waldörfler unterbreitetn allerdings das Angebot eines pauschalisierten Schadesersatzes von 3900 Euro zzgl. der Antwaltskosten, also 4359 Euro.

-

Ich habe jetzt noch nicht entschieden wie ich vorgehen werde. Einserseits akzeptiere ich die Urheberrechtsverletzung nat√ľrlich und bin gewillt, Schadensersatz zu begleichen. Andererseits finde ich √ľber viertausend Euro f√ľr 60 x 60 Pixel gro√üe Bildausschnitte wirklich unverh√§ltnism√§ssig.

Was könnt ihr mir raten?

Besten Dank schon jetzt

Richard
vonseydewitz
 
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Re: Mein Erfahrungsbericht 2008 - heute /Getty/Waldorf Anwälte

Beitragvon vonseydewitz am Mo 12. Okt 2009, 19:58

Noch eine Ergänzung:

in der in meinem Namen verschickten modifizierten Unterlassungserkl√§rung erw√§hnte der Anwalt in einem Nebensatz, dass der Mandant (also ich) die entsprechenden Bilder "2003 aus dem Internet heruntergeladen und dem Mittelst√§ndler zur Verf√ľgung gestellt" habe.

2008 verlangten die Getty-Leute ja noch 2420 Euro irischer MWSt., in dem j√ľngsten Schreiben von den Waldorf-Anw√§lten betrugt das Vergleichsangebot bereits 3900 Euro zzgl. Anwaltskosten. Auch war jetzt von einer "Laufzeit bis 5 Jahre".

Ich vermute mal dieser Berechnung hat Getty jetzt den Satz aus der Unterlassungserlärung zugrunde gelegt.

Bei wem liegt in diesem Falle denn die Beweislast? Die Laufzeit ist ja eine wesentliche Berechnungsgrundlage f√ľr die Schadensersatzforerungen. Da k√∂nnten plusminus zwei Jahre schon eine Menge Geld ausmachen, das ich als Student nicht habe.

Der Gettybot war sicher auf der beanstandeten Website - nur wann? Muss Getty die berechnete "Laufzeit bis 5 Jahre" belegen? Oder hat mein Anwalt das mit o.g. Satz in der Unterlassungserklärung faktisch schon anerkannt? Lässt sich das noch irgendwie anfechten? Der Zeitpunkt des Herunterladens der Grafik heißt ja nicht zwangsläufig, dass der Ausschnitt dann sofort im Netz war.

Ratlos,
Richard
vonseydewitz
 
Beiträge: 4
Registriert: Mo 12. Okt 2009, 18:35

Re: Mein Erfahrungsbericht 2008 - heute /Getty/Waldorf Anwälte

Beitragvon Gast am Mo 12. Okt 2009, 22:36

"2003 aus dem Internet heruntergeladen und dem Mittelst√§ndler zur Verf√ľgung gestellt"
Blöd gelaufen, deshalb sollte man nur Fragen beantworten die auch gestellt wurden ?!
Sieht schon danach aus, daß durch deinen Nebensatz sich die Laufzeit automatisch ergeben hat ...

Derzeit ist noch nicht klar ob und wie bewiesen wird "von wann bis wann" das Bild genutzt wurde, außer du selber gibst es an. Kann sein es wird 2 x eine Sichtung gemacht im Abstand von mind. 2 Jahren und dann erst abgemahnt, da sich erst dann eine Abmahnung lohnt ... das Datei-Datum alleine ist das Datum der Erstellung und nicht das Datum wann es auf den Server geladen wurde und so lange man das Bild nur Privat auf dem Rechner hat ist es nicht strafbar - oder weiß jemand Anderes ?

Das mit der √úberweisung ist seltsam, aus heutiger Sicht h√§ttet ihr bei der Bank nachfragen m√ľssen, entweder bei deiner oder bei der irischen warum das Geld wieder zur√ľckkommt.

Spezialisierten Anwalt aufsuchen, Adressen gibt es hier im Forum ... sieht nach Argumentierungsnotstand aus.

Wichtig f√ľr uns alle ist Information √ľber Erfolge und Vorgangsweisen, leider ist hier fast nur √ľber Misserfolge und Probleme was zu finden, deshalb auch an dich, melde dich, wenn du weiter kommst ...
Gast
 

Re: Mein Erfahrungsbericht 2008 - heute /Getty/Waldorf Anwälte

Beitragvon lustiger am Di 13. Okt 2009, 11:32

typisches Anwaltsverschulden - daher den Restbetrag beim Anwalt als Schadenersatzforderung geltend machen - denn der hat das offensichtlich verbockt !
lustiger
 

Re: Mein Erfahrungsbericht 2008 - heute /Getty/Waldorf Anwälte

Beitragvon Haidelb√ľrger am Fr 30. Okt 2009, 09:54

Im M√§rz diesen Jahres kam ein Schreiben von Getty in Irland - nettes Deutsch, heftige Forderung, sehr eigent√ľmliche angebliche Sichtungsdaten, die sich nicht mit meinen Google analytics Daten decken,
Habe freundlich zur√ľck geschrieben, dass es sich sicher um ein versehen handelt, weil die CD aus der Gr√ľnungszeit von Getty ROYALTY FREE √ľberschrieben war und in CD SAmmlungen vertrieben wurde. Leider wurde die CDs ohne G√ľltigkeitszeitraum verteilt, aber man ist ja kulant.
Habe Nachlizensierung angeboten und Gespr√§chtermine genannt. Die verstrichen ungenutzt. Jetzt kommt von dem Abmahnverein Waldorf "Anw√§lte" ein Forderung von 6000€ mit jede Menge Drohgeb√§rde an.
Die Bilder wurden selbstverständlich sofort schon im Februar entfernt.

Wenn ich die F√§lle mal hochrechne, ergibt sich hieraus f√ľr Getty ein substanzielles Gesch√§ft, das die "normalen" Linzenzgesch√§fte bereits √ľbersteigen k√∂nnte.
Sehr eigent√ľmlich wr an der ganzen Sache, dass man KEINEN Neukunden gewinnen wollte, obwohl er dies aangeboten hat. Eigent√ľmlich ist die H√∂he der Forderungen, die unmittelbar zu solchen foren wie diesem f√ľhren muss. Eigent√ľmlich ist auch, dass zwar gro√üe Anstalten und Verlage als Kunden angegeben werden, die aber nichts davon wissen bzw. wo die tats√§chlich gezahlten Preise Shutterstock-Niveau erreicht haben. Damit d√ľrfte sich der Gesch√§ftszweck von Getty auch in Deutschland nur sehr theoretisch so darstellen, wie er im Handelsregister steht.

Die Frage lautet: Ist die Mafia in Deutschland auf diese Art aktiv? :evil:

1) Es ist organisiert, weil arbeitsteilig
2) Es wird gedroht, und es werden Repressalien eingesetzt
3) Es wird häufig ein Schutzgeld gezahlt, obwohl nicht klar ist, ob die rechtliche Grundlage existiert
4) Scheinbar scheut man den Weg ordentlicher Gerichtsbarkeit
Haidelb√ľrger
 
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Registriert: Fr 30. Okt 2009, 09:29

Re: Mein Erfahrungsbericht 2008 - heute /Getty/Waldorf Anwälte

Beitragvon Gast am Fr 30. Okt 2009, 10:09

Das klingt super, bring√É?√ā¬īs in die Medien, das hat Aussicht auf Erfolg !!
Falls du noch keinen Anwalt hast, such einen hier im Forum, denn dein Fall l√§sst sich vermutlich gut umkehren und ist ein weiterer Beweis f√ľr oberfl√§chliche "Massenabmahnung" ohne den Fall auch nur betrachtet zu haben, das spricht eindeutig gegen die Arbeit von GI und auch von deren RAen und es l√§sst sich √ľber den Lizenzversto√ü verhandeln (sofern sie den nachweisen k√∂nnen), aber gute Aussichten gegen die Anwaltskosten etwas tun zu k√∂nnen, denn es wurde hier nur mit Standard-Textbausteinen und Standard-RA-Brief gearbeitet. Ein interessanter Fall, wie auch etliche andere hier im Forum !
Gast
 

Re: Mein Erfahrungsbericht 2008 - heute /Getty/Waldorf Anwälte

Beitragvon miriam am Mo 23. Nov 2009, 00:45

@Haidelb√§rger: also irgendwie kommen mir die 6000 EUR schon ziemlich hoch vor. Bist Du ganz sicher, dass das nicht die Vertragsstrafe ist, die Du im Wiederholungsfalle zahlen musst? Ich w√ľrde an Deiner Stelle ja zum Anwalt gehen...
miriam
 

Re: Mein Erfahrungsbericht 2008 - heute /Getty/Waldorf Anwälte

Beitragvon Gast am Mo 23. Nov 2009, 12:40

Nein, 6000 f√ľr 3 Bilder ist v√∂llig normal ... zuz√ľglich unter Umst√§nden noch die "unterlassene" Nennung des Fotografen, dann kostet alles mal Zwei, also das doppelte und die Anwaltskosten von beiden Seiten, sofern man vor Gericht verliert. Noch niemand wurde von GI vor das Gericht gezerrt. Ich warte hier nur noch auf eine Gerichtswelle ... vielleicht macht GI dann zig-Prozesse in einem Aufwisch. Das Risiko ist dann aber auch f√ľr GI da, daher denke ich nicht, dass es √ľberhaupt so weit kommt. Es wird gedroht und gedroht und gedroht. Entschieden wird NUR vor Gericht, alles andere ist ein Zugest√§ndnis und Anwaltspl√§nkelei, weder GI noch irgendein Anwalt kann irgend etwas entscheiden oder als Recht oder Richtig festlegen.
Gast
 


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